Wie kann Wiederbewaldung in einem Gebiet gelingen, das wiederholt von Flächenbränden heimgesucht wird? Und wie wirkt es sich aus, wenn das Land niemandem gehört? Um das herauszufinden, habe ich das Dorf Verdelhos im Naturpark Serra da Estrela in Zentralportugal besucht, wo wir mit GEOTA zusammenarbeiten.
Der Naturpark ist ein von der UNESCO anerkanntes Gebiet außerordentlicher Biodiversität, das jedoch höchst anfällig für Waldbrände ist. Mit der zunehmenden Landflucht gibt es immer weniger Menschen, die das Land beweiden lassen und bewirtschaften. In der Folge wurde das bunte Flickwerk an Waldstücken, Feldern und Weideland nach und nach von Kiefern- und Eukalyptusmonokulturen ersetzt.
In solchen eintönigen Landschaften kann sich Feuer viel schneller ausbreiten; vier große Brände haben den Park in den letzten 13 Jahren heimgesucht. Zuletzt, 2022, standen sogar 25 % des Parks in Flammen.



Landschaft und Bäume weisen die Spuren der wiederkehrenden Waldbrände auf.
Ein Brandgebiet renaturieren: Durch Pflanzungen… und genügend Abstand
Zur Wiederherstellung der Natur in diesem Gebiet verfolgen wir zwei verschiedene Ansätze: gezielte Pflanzungen und natürliche Regeneration. Im Gebiet, das wir der natürlichen Regeneration überlassen, konnte ich die Spuren des letzten Brandes deutlich erkennen: verkohlte Baumstümpfe und eine kargere Landschaft – aber auch ein paar Jungbäume.
Da die Wurzeln mancher Bäume unter der Erde weiterleben, kann hier beobachtet werden, wie sich der Wald ohne menschliches Zutun nach einem Feuer erholt – ob überlebende Bäume und Sträucher nachwachsen und ob neue Pflanzen natürlich aus Samen heranwachsen. Manchmal ist die beste Strategie, um ein Ökosystem zurückzubringen, nicht, neue Bäume zu pflanzen, sondern der Natur freien Lauf zu lassen.
Anderswo pflanzen wir 50.000 heimische Bäume, hauptsächlich Castanheiros (Edelkastanie) und Pinheiro selvagem (Waldkiefer). Kiefern sind „Pionierpflanzen“: Sie können in stark degenerierten Böden wachsen, stabilisieren sie und machen sie über die Zeit fruchtbarer. So können irgendwann auch anspruchsvollere heimische Pflanzen wieder dort gedeihen.


Edelkastanien- und Waldkiefernsetzlinge bereit für die Pflanzung.
Sowohl Kiefern als auch Edelkastanien bieten zudem einen wirtschaftlichen Mehrwert: Ihre Früchte können gesammelt werden und sie locken Naturtourismus an.
Bäume pflanzen ist harte Arbeit
Ich war im Februar vor Ort – mitten in der Pflanzsaison. Unsere Partner*innen verwendeten ein langes, rotes Pflanzwerkzeug, das ihnen die Arbeit erleichtert (trotzdem erfordert es einiges an Kraft – ich hab‘s ausprobiert).


Kaikê von GEOTA gibt Kiefernsetzlinge in das Pflanzrohr.
Auch die großen Temperaturschwankungen machen die Sache nicht einfacher: Auf frostige Winter folgen sengende Sommer über 35 °C – jede Entscheidung von der Auswahl der Baumarten bis zu ihrer Pflanzung muss diese Extreme berücksichtigen.
Und auch der Klimawandel muss bedacht werden: Bäume wachsen über Jahrzehnte. Die heute gepflanzten Exemplare sollen auch dem Klima in 40 Jahren trotzen können.
Baldios: Niemandsland, das für alle da ist
Die Wiederbewaldung folgt dem Prinzip der „Baldios“ oder zu Deutsch „Allmenden“ – einer altertümlichen Art der gemeinschaflichen Verwaltung von Land. Dieses gehört dabei nicht einzelnen Personen, sondern wird gemeinschaftlich von den Menschen verwaltet, die darauf leben und es nutzen. David, Vorsitzender der Baldios, formuliert es so: „Dieses Land gehört niemandem, dient aber allen.“
Die Gemeinschaft entscheidet, wie die Landschaft gepflegt wird, während der Gewinn aus dem Wald allen zugutekommt, zum Beispiel, indem er einen Spielplatz oder ein Fußballfeld finanziert. Meistens ist Grund und Boden entweder öffentlich oder privat. Ich fand es faszinierend, diese andere Art der Verwaltung kennenzulernen.


Eine Hirtin mit ihrer Herde und Kastanienbäume: zwei Arten, wie die Baldios die Gemeinschaft unterstützen.
Ich habe Gemeindevorsitzende getroffen, Hirt*innen gesehen, Kastanien gesammelt und einen Spielplatz besucht, der durch einen gemeinschaftlich betriebenen Wald finanziert wurde. So wurde ich erinnert, dass es bei der Aufforstung nicht nur um Bäume geht: Menschen kümmern sich um jene Wälder, die ihnen etwas bedeuten.
Einen herzlichen Dank an das GEOTA-Team – insbesondere an João, Miguel und Kaikê für die interessanten Einblicke!