Gehen alle das Bäumepflanzen falsch an? Hier ein paar Einblicke, worauf es ankommt!

Die Wiederaufforstungsprojekte von Mr. Beast und #TeamTree, die „Trillion tree campaign“ von Plant-for-the-Planet, die Bonn Challenge, die Grüne Mauer, die New York Declaration on Forests und viele andere ähnliche Initiativen verzeichnen einen noch nie dagewesenen Zulauf – nicht zuletzt deshalb, weil Wissenschaftler propagieren, dass Wiederaufforstung die effektivste aller Lösungen gegen den Klimawandel sei. Das wirft eine wichtige Frage auf: Wie kann man unterscheiden zwischen Bäumen, die tatsächlich der Zukunft unseres Planeten zugutekommen, und Bäumen, die die Klimakrise noch verschärfen?

Zu den größten Lügen unserer Zeit gehört auch, dass Bäume pflanzen kinderleicht sei. Tatsächlich aber kann vieles schief gehen: Wenn man beispielsweise Monokulturen pflanzt anstatt Mischwälder, schafft man damit aus ökologischer Sicht „tote Zonen“. Pflanzt man nicht-indigene Baumarten, können diese einheimische Bäume verdrängen und so langfristig die Artenvielfalt zerstören. Und hinzu kommt, dass wenn man nicht mit den Dorfgemeinschaften vor Ort zusammenarbeitet, die Setzlinge eingehen werden. 

Kurz: Bäume pflanzen? Ja, aber richtig. Wenn man weiß, worauf man achten muss, ist es aber leicht, zwischen nachhaltigen und schädlichen Projekten zu unterscheiden.

Wenn du keine Zeit hast, dir diese Folge von „Behind the Picture“ (oben) anzusehen, hier eine Zusammenfassung dessen, was du hinterfragen solltest, wenn dir jemand erzählt, dass er Bäume pflanzt:

Wurden diese Bäume auch tatsächlich gepflanzt? Wird die Baumpflanzung auch tatsächlich kontrolliert, oder haben wir es nur mit einer Behauptung zu tun, die zwar gut klingt, bei der es sich aber letztlich nur um heiße Luft handelt?


Sind die Menschen vor Ort als gleichwertige Partner in das Projekt eingebunden? Profitieren die Menschen vor Ort von den Bäumen? Kümmern sie sich um die Bäume? 


Stammen die Setzlinge aus der Gegend oder werden sie importiert? Handelt es sich vielleicht sogar um invasive Arten? 


Wurde ein Mischwald gepflanzt oder eine Monokultur?


Aus Gründen der Zugänglichkeit schließen wir eine Abschrift des Videos ein:

Was siehst du, wenn du im Wald stehst? Als ich im letzten August in Kenia war, sah ich zwei verschiedene Realitäten. Ich bin durch Wälder spaziert, die kühl und feucht waren, in denen Insekten schwirrten und Vögel sangen. Doch gar nicht weit davon entfernt stand ich plötzlich inmitten von Bäumen, die merkwürdig lebensfeindlich wirkten. Nirgendwo plätscherten Bäche und es war kein Vogelgezwitscher zu hören. Und ich dachte mir: Heutzutage werden doch überall Bäume gepflanzt. Zumindest wird dies häufig behauptet. Ganz offensichtlich müssen wir jedoch einen Unterschied machen zwischen den Bäumen, welche die Zukunft unseres Planeten wirklich schützen, und den Bäumen, welche die Klimakrise sogar noch verstärken.

Wer behauptet, Bäume pflanzen sei einfach, sagt schlicht und einfach nicht die Wahrheit. Tatsächlich kann sogar Einiges schief laufen. Wenn nämlich Monokulturen anstelle von Mischwäldern angepflanzt werden, entstehen ökologisch tote Zonen. Fremde Arten können sich invasiv ausbreiten und die Biodiversität zerstören. Zudem muss man mit den Menschen vor Ort zusammenarbeiten, wenn die Bäume eine Überlebenschance haben sollen.

Baumpflanzprojekte sind also sehr unterschiedlich. Die Unterschiede zwischen nachhaltigen und destruktiven Baumpflanzprojekten sind jedoch leicht zu erkennen, wenn man weiß, worauf man achten muss.

Dies hier ist kein Wald. Auch dies ist keiner. Beides sind Monokulturen. Es sind kommerzielle Baumplantagen mit ein und derselben Art, quasi grüne Wüsten. Beim Betreten einer Monokultur fallen einem sofort die Härte des Bodens und eine merkwürdige Stille auf. Monokulturen schaden der Biodiversität, da sie nicht über das notwendige Angebot an Nahrung, Schutzmöglichkeiten und Nährstoffen verfügen, um Leben in all seiner Pracht und Vielfalt zu ermöglichen.

Monokulturen dienen in der Regel zur Produktion von billigem Nutzholz, Gummi oder Palmöl. Exportiert werden diese Produkte meist in Industrieländer. Die wahren Kosten tragen jedoch die Anbauländer: Umweltzerstörung, mit Pestiziden verseuchtes Wasser, ausgelaugte Böden und unfaire Arbeitsbedingungen. Seit den 80er-Jahren hat sich die Anzahl der Monokulturen tropischer Bäume fast verfünffacht. Auch angesichts des Klimawandels sind das keine guten Nachrichten.

Mischwälder können Unmengen von Kohlenstoff aufnehmen – je älter der Wald, desto besser – Monokulturen hingegen setzen häufig sogar Kohlenstoff frei. Das liegt daran, dass sie das Gleichgewicht im Boden stören und häufig dort zu finden sind, wo früher Urwälder standen.

Damit wir uns nicht falsch verstehen: In gewissen Situationen können Monokulturen auch sinnvoll sein. So ist es beispielsweise für Landwirte besser, ein kleines Waldstück zu bewirtschaften, anstatt ihr Nutzholz in einem natürlichen Wald zu schlagen. Größere Monokulturen sind jedoch nahezu grundsätzlich destruktiv.

In Indonesien wird die Umwandlung von Primärwald in Monokulturen in besonders erschreckendem Maß vollzogen. In den letzten 30 Jahren ist ein Viertel der Waldfläche des Landes dem Anbau von Palmölplantagen zum Opfer gefallen. Und es ist immer der gleiche Ablauf: Multinationale Konzerne kaufen Kleinbauern Land ab, roden riesige natürliche Waldflächen, um Platz für Palmöl-Monokulturen zu schaffen, und tränken den Boden mit Pestiziden und Düngemitteln. Wenn der Boden nach einigen Jahren völlig ausgelaugt ist, dringen die Unternehmen weiter in den Regenwald vor. Für sie ist die Erde also Warenlager und Kanalisation zugleich.

Trotz allem definieren internationale Einrichtungen wie die Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen, die Weltbank sowie etliche Regierungsbehörden Monokulturplantagen als Wälder. Eine große Lüge!

Ihr habt es vielleicht schon bemerkt: Wir sind nicht die größten Fans von Monokulturen im großen Stil. Wenn wir von Ecosia einen Wald pflanzen, nutzen wir immer verschiedene Baumarten an, die gemeinsam Kohlenstoff aufnehmen, den Wasserkreislauf regulieren, Nährstoffe im Boden wiederherstellen und Biodiversität fördern. Dieser Wald ist beispielsweise auf einer ehemaligen Plantage in Indonesien entstanden. Diesen Wald haben wir in Brasilien auf ausgelaugtem Ackerboden gepflanzt.

Wenn ihr also demnächst von Baumpflanzprojekten hört, fragt am besten nach, ob Mischwälder oder Monokulturen gepflanzt werden.

Ein Wald muss aber nicht nur artenreich sein. Auch die Auswahl der Baumarten spielt eine wichtige Rolle.

Wer südlich der Sahara europäische oder australische Bäume pflanzt, bringt ein empfindliches Ökosystem aus dem Gleichgewicht. Diese importierten Arten können sich invasiv ausbreiten und heimische Arten verdrängen, Wasserreserven verbrauchen und die Biodiversität erheblich beeinträchtigen. Wir pflanzen daher nur heimische, vorzugsweise seltene Baumarten. Diese Arten hatten Millionen Jahre Zeit, sich an die lokalen Gegebenheiten anzupassen und sind entsprechend gewappnet.

Wenn ihr also demnächst von Baumpflanzprojekten hört, fragt am besten nach, ob Mischwälder oder Monokulturen und ob heimische oder importierte Arten gepflanzt werden.

Ein Faktor, der bei Aufforstungsprojekten gern außer Acht gelassen wird, sollte unbedingt auch berücksichtigt werden: der Mensch! Häufig gerät bei Aufforstungsprojekten die Tatsache in Vergessenheit, dass das aufgeforstete Land auch genutzt wird. Wenn man nur schnell einen Wald pflanzt und sich dann aus dem Staub macht, ist das Scheitern vorprogrammiert. Die Bäume überleben nur selten oder werden irgendwann wieder gerodet.

Besser ist es, die Menschen vor Ort aktiv mit einzubinden. Dies ist nicht nur richtig, sondern auch unverzichtbar, wenn Wälder nachhaltig aufgeforstet werden sollen. Wenn man für den Menschen mehr Lebensqualität schaffen kann, schwindet auch der finanzielle Druck, Land an Bergbau- und Rodungsunternehmen oder große Landwirtschaftsbetriebe zu verkaufen. Und wenn das Plus an Lebensqualität dann noch in direktem Zusammenhang mit den gepflanzten Bäumen steht, haben die Menschen allen Grund, diese Bäume zu schützen – und selbst weitere Bäume anzupflanzen.

Wie kann man also erreichen, dass die Dörfer vor Ort von Bäumen profitieren?

In vielen Fällen liefern die von Ecosia gepflanzten Bäume wertvolle Rohstoffe wie Baobab-Pulver, Sheabutter, Früchte oder Tengkawang-Öl, um nur einige Beispiele zu nennen. Diese Produkte selbst zu konsumieren und zu verkaufen ist langfristig viel profitabler als die Bäume zu fällen.

Außerdem profitieren auch kleinere landwirtschaftliche Betriebe von einem gemischten Baumbestand. Er steigert die Fruchtbarkeit des Bodens, beugt der Erosion vor, reinigt und speichert Grundwasser und schafft Mikroklimata, die angesichts der Erderwärmung eine immer wichtigere Rolle spielen.

Wenn ihr also demnächst von Baumpflanzprojekten hört, fragt am besten nach, ob Mischwälder oder Monokulturen und ob heimische oder importierte Arten gepflanzt werden. Und fragt auch nach, ob man den Menschen vor Ort auf Augenhöhe begegnet oder ob man einfach ein paar Setzlinge in guter Hoffnung ihrem Schicksal überlässt.


Einen letzten Punkt möchte ich noch ansprechen. Junge Bäume sind in den ersten Lebensjahren sehr empfindlich. Sie müssen also gut versorgt und beobachtet werden. Am besten eignet sich dafür eine Datenbank, in der man nachvollziehen kann, welche Bäume wo überlebt haben. Wir beobachten unsere Bäume mindestens drei Jahre lang per Satellitentechnik, mit einer Überwachungs-App, Fotos mit Geotags, durch unabhängige Prüfer und bei Besichtigungen vor Ort. Sollten die von uns beobachteten Bäume sterben, ziehen wir sie von unserem Baumzähler ab.

Ihr merkt schon – diese Arbeit ist ziemlich komplex. Aber wir haben keine andere Wahl. Wir müssen einfach alles richtig machen. Immer mehr Wissenschaftler halten Aufforstung für eine der wichtigsten Maßnahmen im Kampf gegen den Klimawandel. Wenn ihr also demnächst von Baumpflanzprojekten hört, dürft ihr gern gratulieren. Und dann fragt ihr nach:

Erstens: Wurden die Bäume tatsächlich schon gepflanzt? Werden sie überwacht oder handelt es sich um ein gut gemeintes, aber im Prinzip unrealistisches Unterfangen?

Zweitens: Sind die Menschen vor Ort als gleichberechtigte Partner an dem Projekt beteiligt? Profitieren sie von den Bäumen? Kümmern sie sich um die Bäume?

Drittens: Sind die Bäume in der Region heimisch oder handelt es sich um importierte und möglicherweise sogar invasive Arten?

Und schließlich viertens: Wurde ein Mischwald oder eine Monokultur angepflanzt?

Letzten August in Kenia habe ich Kiberenge Moraia kennen gelernt. Er ist 85 Jahre alt und wuchs in einem intakten Urwald auf. Als Kind spielte er häufig am Fluss. In den 70er-Jahren wurde der Wald von der Regierung durch eine Kiefern-Monokultur ersetzt. Kurze Zeit später trocknete der Fluss aus.

Die Menschen in dieser Region pflanzen nun mit uns heimische Baumarten. Allmählich führt auch der Fluss wieder Wasser.

Bäume pflanzen ist also keine leichte Aufgabe. Es ist komplex. Es ist anstrengend. Aber wenn es funktioniert, ist es einfach wunderbar!



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