Gärtnern zuhause, drinnen & draußen: So machst Du’s richtig

LINNEA

Linnea

Linnea ist eine der Werkstudentinnen bei Ecosia. Sie liebt die Vielfalt aller Kulturen, Sprachen und Menschen dieser Welt und ist bei Ecosia mitverantwortlich für die deutschsprachige Kommunikation.

In Zeiten, in denen unser aller Alltag Kopf steht und wir unzählige Stunden zuhause verbringen, können wir uns endlich mal unserem grünen Daumen widmen. Egal ob im Garten, auf dem Balkon oder auf der Fensterbank - mit den einfachsten Mitteln kann man sich nämlich zuhause sein eigenes Gemüse anbauen und Lebensmittelverschwendung reduzieren. Garten-Bloggerin Silvia Appel erklärt ihren Lesern wie man sich seinen Selbstversorger-Balkon gestalten kann und hat auch einen Online-Kurs zum Thema “Essbares für drinnen”. Für Euch haben wir mit ihr gesprochen.

Was sind die Vorteile daran, sein eigenes Gemüse anzubauen?

Wenn man sein Gemüse selber anbaut, weiß man wirklich, wo es herkommt: Im Idealfall begleitet man die Pflanze vom Samenkorn bis zur fertigen Frucht und hat so eine ganz andere Wahrnehmung dafür, was es bedeutet, aus einem Samenkorn eine Tomate anzuziehen. Man lernt, wie viel Arbeit eigentlich dahinter steckt, gesunde Pflanzen zu kultivieren und kann sich außerdem einige Besuche im Supermarkt sparen. Ich kann mir zum Beispiel immer einen frischen Salat machen, ohne das Haus verlassen zu müssen.

Auf Silvia’s Balkon wachsen momentan zum Beispiel Pflücksalate, Mangold, Schnittlauch, Petersilie und ganz viele Tulpen. Die Menge der Pflanzen steigert sich mit dem Jahresverlauf: Je wärmer es wird, desto mehr wächst auch auf ihrem Balkon.

Was wächst am besten auf dem Balkon?

Auf dem Balkon wächst am besten, was zum Standort passt. Denn das A und O ist, dass man die Pflanzen passend zur Sonneneinstrahlung auswählt. Zuerst sollte man also bestimmen, ob man einen sonnigen oder schattigen Balkon hat (oder irgendwas dazwischen), und danach sollte man sich dann die Pflanzen aussuchen. Es bringt nichts, sich auf einem sehr schattigen Balkon Chilis, Rosmarin oder Salbei anzubauen - diese Pflanzen lieben die Sonne und brauchen sie auch. Wenn man es doch macht, wird man nach ein paar Wochen merken, dass diese Pflanzen einem kaputt gehen - eben weil sie nicht den richtigen Standort bekommen haben.

Silvias Balkon ist relativ schattig. Er liegt jedoch in einem geschützten Innenhof inmitten der Stadt und das gegenüberliegende Haus reflektiert sehr viel Sonne und Wärme. Darum kann sie zum Beispiel auch Tomaten anpflanzen. Es ist oft nämlich gar nicht die direkte Sonne, sondern die Wärme, um die es bei den Pflanzen geht.

Was kann man in der Wohnung pflanzen?

Generell kann man sagen: Für jeden ist ein Pflänzchen gewachsen. Wer weder Balkon noch Garten hat, kann sich ein Sprossenglas oder einen Keimturm in die Wohnung stellen. Diese Art von Pflanzen braucht nämlich kein Licht zum Wachsen. Sprossen gärtnern oder Kresse anziehen sind auch wirklich perfekt für diejenigen, die sich ganz langsam an das Thema Gärtnern herantasten möchten. Jetzt, wo die Sonne wieder öfter scheint und es heller in der Wohnung ist, kann man auch auf einem hellen Fensterbrett Kräuter pflanzen. Auch hier sollte man sie aber wieder in einen Tontopf oder einen Balkonkasten pflanzen.

Wie kann man das meiste aus seinen Pflanzen herausholen?

Da gibt es einmal die sogenannte Regrowing-Methode, bei der Gemüsereste wiederverwertet werden. Ich schneide dafür zum Beispiel einfach die harten dunkelgrünen Abschnitte von Möhren, Roter Beete oder Pastinaken ab, die sonst weggeschmissen werden, und lege sie auf einen Kuchenteller, der mit Wasser benetzt ist. Ziemlich schnell treibt dort wieder frisches Grün aus, welches man für den Salat, Sandwiches, Smoothies oder aber als Futter für seine Haustiere verwenden kann. Außerdem kann man bestimmte Pflanzen teilen. Wer Basilikum gekauft hat, kann den Stock zum Beispiel in zwei oder drei Teile trennen und wieder frisch in kleinere Töpfe einpflanzen. Indem man aus einem Basilikum letztendlich mehrere gemacht hat, kann man möglichst viel aus einer Pflanze herausholen.

Worauf sollte man außerdem achten, wenn man zuhause pflanzt?

Man sollte experimentierfreudig bleiben und nicht so schnell aufgeben. Es ist schwieriger in Töpfen zu gärtnern, als im Erdreich. Dort können die Pflanzen sich nämlich ein Stück weit selbst versorgen, indem sie relativ tief wurzeln und so auch Wasser erreichen. Wenn es mit einer Pflanze mal nicht klappt, kann das viele Gründe haben. Man sollte in diesem Fall nicht direkt die Flinte ins Korn werfen, sondern überlegen, woran es gelegen haben könnte: Habe ich vielleicht einen viel zu kleinen Topf gewählt? Habe ich vergessen zu gießen oder aber zu viel gegossen? Oder war es tatsächlich ein total schlechtes Jahr, weil es total viel geregnet hat und die Pflanzen vielleicht eine Pilzkrankheit bekommen haben? Nach einer Zeit bekommt man einen Blick für das große Ganze.

Wie hilft Dir das Gärtnern in der Krisenzeit?

Gerade jetzt hilft mir das Gärtnern umso mehr dabei, durch den Tag zu kommen und ihm eine Struktur zu geben. Besonders wenn man schon größere Kinder hat, kann man diese so beschäftigen und mitnehmen und so sein Wissen an die nächste Generation weitergeben. Ein Garten lehrt dich unglaublich viel Geduld und alle möglichen Eigenschaften, die Du auch im normalen Leben gebrauchen kannst. Man arbeitet nicht nur mit den Händen, sondern macht auch viel kreative Arbeit im Kopf. Denn Du brauchst dafür Vorstellungskraft: Wenn Du etwas pflanzt, dann sind es entweder noch Samen oder kleine Pflänzchen. Du musst dir also vorstellen können, wie es am Ende aussehen wird. Und dieses Visualisieren regt total die Kreativität an.

Silvia’s Tipps für Anfänger:

TIPP 1:  Statt mit Saatgut anzufangen, lieber erstmal Jungpflanzen kaufen, da sie wesentlich einfacher sind.

TIPP 2: Relativ große Pflanzgefäße wählen. So spart man sich gewisse Arbeiten, wie beispielsweise, dass man im Sommer sonst zwei mal am Tag gießen muss.

TIPP 3: Ein typischer Anfängerfehler ist es, den Basilikum in Plastiktöpfen im Supermarkt zu kaufen und darin dann auf den Balkon in einen Übertopf zu stellen. Die Pflanze bleibt dann oft wochenlang so stehen und man wundert sich, wieso sie nicht weiter wächst, oder es ihr nicht gut geht. Dieser Plastiktopf dient lediglich zum Transport und man muss die Pflanze in einen mindestens doppelt so großen Topf umpflanzen, damit sie weiter wachsen kann.

Silvia’s Tipps für's nachhaltige Pflanzen:

TIPP 1: Die Pflanzen ohne Verpackung kaufen. Zum Beispiel auf dem Wochenmarkt.

TIPP 2: Die Transport-Töpfchen aufheben und im nächsten Jahr wiederverwerten. Wenn man aus Saatgut etwas ansät, kann man es dort hinein säen. Wer geübter ist und seinen Schnittlauch oder Basilikum teilen möchte, kann die Töpfchen hierfür verwenden und die Pflanzen darin anschließend an Freunde verschenken.

TIPP 3: Samenfestes, biologisches Saatgut verwenden. Mit samenfestem Saatgut kann man selber Samen ernten und muss so im nächsten Jahr kein neues Saatgut kaufen. Die Samen kann man dann auch mit Freunden tauschen.

TIPP 4: Ganz wichtig ist es torffreie Erde zu verwenden. So verhindert man die Zerstörung von Mooren und schützt so das Klima und den Erhalt wertvoller Lebensräume.



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