Wiederaufforstung der ältesten Insel der Welt

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Madagaskar ist die Heimat einer üppigen Vielfalt an Pflanzen- und Tierarten. Als diese riesige Insel – die viertgrößte der Welt – vor 170 Millionen Jahren entstand, war der ideale Lebensraum für eine ganze Reihe äußerst seltener Spezies geschaffen.

Etwa 80% dieser Arten sind so selten, dass sie nirgends sonst auf dem Planeten zu finden sind. Dazu gehören auch die berühmten Lemuren, die den meisten spätestens durch König Julian und seine Untertanen aus dem nach der Insel benannten Trickfilm bekannt sein dürften. Madagaskar ist auch landschaftlich ausgesprochen vielfältig: Tatsächlich finden sich mit Regenwald, Steppe, Hochebene und Trockensavanne gleich mehrere unterschiedliche Ökosysteme auf der Insel.

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Und das sind nur 4 der sehr unterschiedlichen Landschaften, die unser Tree Planting Officer bei seinem Besuch unserer Aufforstungsgebiete in Madagaskar durchquert hat.

Aber genau diese beeindruckende Artenvielfalt von Flora und Fauna schwebt in akuter Gefahr. Die Mischung aus Kolonialisierung, globaler Marktwirtschaft und starkem Bevölkerungswachstum hat die einheimischen Wälder in letzter Zeit immer stärker belastet. Die über Jahrhunderte anhaltende industrielle Ausbeutung hat zwischen 85 und 90% der Wälder ausgelöscht, die die Insel einst nahezu komplett bedeckten.

So helfen deine Suchen bei der Aufforstung Madagaskars

Ohne den Schatten der Bäume sind die Böden Madagaskars der sengenden Sonneneinstrahlung schutzlos ausgeliefert. Sie dürren aus und verlieren alle Reserven an Wasser und Mineralien. Darum haben es sich unsere Partner vor Ort mit den Eden Reforestation Projects zur Aufgabe gemacht, die einst so fruchtbaren Böden der Insel zu retten.

Mit ihrer jahrelangen Erfahrung und dem Wissen der einheimischen Bevölkerung wollen unsere Partner zunächst den Nordwesten der Insel rund um die Stadt Mahajanga aufforsten. Die abgeschiedene Lage fernab größerer Ballungsgebiete ist ideal, weil die jungen Bäume so schwerer der Feuerholzproduktion zum Opfer fallen können.

Die zuvor erwähnte erstaunliche landschaftliche Diversität Madagaskars macht es möglich, dass eure Suchen gleich zwei verschiedene Ökosysteme retten. Ein Projekt widmet sich der Aufforstung von Mangrovenwäldern an der Salinenküste, das andere konzentriert sich auf das von zwei Gewässern umgebene trockene Binnenland, wo sommergrüne Baumarten ("deciduos" auf Englisch) gepflanzt werden sollen:

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Verglichen mit der relativ unkomplizierten Aufforstung von Mangrovenwäldern stellt die Anreise zu den Pflanzungen das wesentlich größere Abenteuer dar. Die Aufforstungsgebiete sind kleinere, der Hauptinsel vorgelagerte Inseln nahe der Küste und nur per Boot erreichbar.

Pieter, Ecosias gewissenhafter Tree Planting Officer, hat bei seinem ersten Besuch vor Ort im Dezember 2016 natürlich keine Ausnahme gemacht. Dabei hat er allerdings auch festgestellt: Wenn man nicht wie die agilen Einheimischen an den sumpfigen und matschigen Untergrund der Mangrovenwälder gewöhnt ist, sollte man am besten rutschfeste Gummischuhe tragen:

Wie ihr in dem Video sehen könnt, ist das Pflanzen von Mangroven vergleichsweise unkompliziert. Das besondere an der Fortpflanzung des Mangrovenbaums ist, dass er seine zum Zeitpunkt der Trennung relativ weit entwickelten Diasporen (Samen) einfach als schwimmfähige Sporen in die Erde fallen lässt.

Im Grunde müssen die Menschen vor Ort dann nichts weiter tun, als die Samen bestehender Mangrovenbäume einzusammeln und die keilförmigen Samenkapseln in den Boden einzulassen. Schön, wenn man die Erdanziehungskraft auf seiner Seite hat.

Das trockene Binnenland

Die Aufforstung des Binnenlands gestaltet sich da als wesentlich kniffliger. Die Böden sind hier nämlich so trocken, dass die jungen Setzlinge der Bäume beim direkten Einpflanzen nicht überleben könnten und die Bemühungen der Bevölkerung vor Ort im wahrsten Sinne des Wortes fruchtlos wären.

Stattdessen verbringen die jungen Bäume mindestens drei Monate in einer Baumschule und werden erst während der nächsten Regenzeit in die Erde gesetzt (in der Regel zwischen Januar und Februar). Dann sind sie weit genug entwickelt, um das Wasser der ersten Niederschläge zu speichern und die bevorstehende Trockenzeit zu überstehen.

Ziel all dieser Pflanzungen ist, die natürlichen Waldkorridore wiederherzustellen, die im Laufe der Zeit auf isolierte und immer weiter schrumpfende Flecken reduziert wurden. Viele Tierarten wie die Lemuren sind durch das Verschwinden dieser Verbindungskorridore gefährdet, weil sie sich bei ihrer Suche nach Nahrung und Unterschlupf nicht länger uneingeschränkt bewegen können.

Die stärkste Kraft im Projekt ist die einheimische Bevölkerung

Unabhängig vom konkreten Anbaugebiet und der jeweiligen Methode hängt unser Erfolg ganz wesentlich von der Unterstützung durch die einheimische Bevölkerung ab.

Die Gründe für die massive Abholzung in Madagaskar gehen letztlich auf die sozioökonomischen Bedürfnisse der Gemeinden vor Ort zurück: Etwa 80% der Madagassen leben ausschließlich von Subsistenzwirtschaft und verwenden Holzkohle als wichtigsten Brennstoff zum Heizen und Kochen.

Die Lösung ist einfach und komplex zugleich: Sobald ein Wald über die nötige Vitalität und Artenvielfalt verfügt, um die Menschen vor Ort zu ernähren, ist sein Schutz lukrativer als das Abholzen. Darum besteht das langfristige Ziel des Projekts darin, ressourcenreiche Wälder aufzuforsten, die den Menschen eine Lebensgrundlage und der beeindruckenden Artenvielfalt Madagaskars ein Zuhause bieten.

Juliette und Frédéric

Bei seinem Besuch im Dezember 2016 konnte Pieter sehen, dass das Aufforstungsprogramm bereits jetzt die ersten Veränderungen gebracht hat. Er konnte mit Juliette sprechen (s. Bild oben), die an einem der Standorte Arbeit gefunden hat und das erste Mal Teil eines solchen Projekts ist.

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Juliette unterstützt unsere Partner in Madagaskar erst seit Kurzem beim Bäumepflanzen. Was sie an dem Projekt am meisten mag? Sie selbst sagt, sie sei einfach nur dankbar, Arbeit zu haben.

Als nächstes seht ihr, was Frédéric zu dem Programm zu sagen hat. Er arbeitet bereits seit drei Jahren an verschiedenen Standorten für die Eden Reforestation Projects und hat eine komplett andere Sichtweise. Er ist vor allem stolz, Teil eines Projekts zu sein, das langfristig den Menschen und der Natur zugute kommt: