Was haben Hühner mit heimischen Bäumen zu tun? Einblicke in unser Projekt in Ruanda

Als unser Social Media Lead Harriette mit Tree Planting Officer Antonia in Kigali landete, hatte sie nur eine vage Vorstellung davon, was die nächsten Tage bringen würden. Bis zum Ende ihrer Reise erfuhr sie, welche Interessenkonflikte es rund um das Pflanzen heimischer und exotischer Bäume gibt und wie schwierig es ist, einen Bus aus einem Erdrutsch zu schieben. Außerdem spürte sie die Gastfreundschaft der Menschen vor Ort, denen sich durch die Agroforstwirtschaft neue Wege eröffnen. 

Hier teilt sie ihre Erfahrung mit uns: 

Wohin bist du gereist und welches Projekt hast du besucht? 

Ich habe unser Projekt mit One Acre Fund (OAF) in Ruanda besucht. Antonia und ich sind nach Kigali geflogen und dann in den Süden nach Huye gefahren. Von dort aus besuchten wir Dörfer in drei verschiedenen Regionen, wo wir mit den lokalen Gemeinschaften ein Projekt umsetzen, bei dem Bäume auf kleinen Farmen gepflanzt werden. 

Wie sind diese Tage ungefähr abgelaufen? 

Wir sind frühmorgens zu den Dörfern aufgebrochen, wo wir die Familien kennengelernt haben, die am Programm teilnehmen. Diese zeigten uns dann ihre Farmen und die Bäume, die sie in den letzten Jahren (2020 bis November 2025) gepflanzt haben. Manche von ihnen sind seit Beginn des Projekts dabei. 

Sie zeigten uns die verschiedenen Arten, wie sie wachsen und welchen Nutzen sie bringen – insbesondere die verbesserte Bodenqualität und die verminderte Erosion. Erdrutsche sind in Ruanda ein großes Problem. Die Bäume helfen, die Abhänge zu stabilisieren. Sie steigern auch die Ernteerträge und machen die Farmen so produktiver und profitabler.

Was hat dich bei diesem Projekt am meisten überrascht?

Der Umfang! Die einzelnen Farmen sind sehr klein, deshalb werden dort pro Jahr nur 10 oder 15 Bäume gepflanzt. Da wir aber mit über 100 000 Bauernfamilien arbeiten, ist die Gesamtzahl der Bäume und deren Auswirkung auf das Leben in Ruanda riesig. 

Wie oft wir von Landwirt*innen gehört haben, dass sie nun vom Erlös überschüssiger Nahrungsmittel Nutztiere kaufen können. Das ist oft die Altersvorsorge. Eine Ziege für die Familie zu kaufen, ist eine Investition in ihre Zukunft. Ihnen bleibt nun auch Geld für Sachen wie Schulmaterial und Gesundheitsversorgung. Es ist toll, auf wie vielen Ebenen das Projekt wirkt.

Welcher Moment ist dir besonders in Erinnerung geblieben?

An unserem letzten Tag auf dem Weg zurück zum Hotel hat es wie aus Eimern gegossen. Dadurch kam es zu einem Erdrutsch, der die Straße blockiert hat. Wir saßen stundenlang fest und mussten am Ende sogar unseren Bus aus dem Schlamm schieben. Ruanda ist so hügelig, dass Erdrutsche eine unheimliche Zerstörungskraft entfalten können. Dieses Erlebnis hat die Bedeutung der Bäume und unserer Arbeit für die Stabilisierung der Hänge und den Schutz der Menschen sehr deutlich gemacht. 

Was hat das lokale Team oder die Gemeinschaft zur Wirkung des Projekts gesagt?

One Acre Fund ist eine der größten Organisationen, die mit kleinen Farmen südlich der Sahara arbeitet. Sie wissen also genau, was sie tun. 2025 unterstützten sie 5,6 Millionen Bauernfamilien über Programme und Partnerschaften oder indem sie ihnen Dünger und Saatgut zur Verfügung stellten, damit die Farmen produktiver werden. 

Auch die Gemeinschaften äußerten sich sehr positiv über den Zugang zu kostenlosen Setzlingen und deren Auswirkungen auf ihre Farmen und Familien. 

Mit welchen Herausforderungen ist das Projekt konfrontiert?

Es gibt Spannungen in Bezug auf das Pflanzen heimischer und exotischer Bäume. Die bei diesem Projekt am häufigsten gepflanzten Arten sind Markhamia lutea (heimisch) und Silbereichen (exotisch, aber nicht invasiv). Die Landwirt*innen mögen die Silbereichen, da sie schnell wachsen, die obersten Äste für Kletterbohnen genutzt werden können und das Holz als Feuerholz verkauft werden kann. Sie sind sehr ertragreich. 

Wir bevorzugen heimische Arten wie Markhamia, deshalb arbeiten wir mit One Acre Fund daran, das Pflanzen heimischer Bäume attraktiver zu machen. Eine Maßnahme ist das Native Tree Festival, bei dem es unter den Dorfbewohner*innen jedes Jahr einen Wettbewerb für die meisten gepflanzten heimischen Bäume und höchsten Überlebensraten gibt. Das Gewinnerdorf erhält ein Preisgeld. Wir haben manche der Sieger*innen vom letzten Jahr getroffen: Sie haben das Preisgeld verwendet, um allen Familien im Dorf zwei Hühner zu kaufen.

Klingt nicht nach einem klassischen Aufforstungsprojekt.

Stimmt. Es wird hier nicht Reihe um Reihe von Setzlingen auf einem riesigen Feld gepflanzt. Stattdessen werden auf tausenden von kleinen Parzellen einzelne Bäume gesetzt. Dezentralisiert und überall verteilt – aber der Gesamtumfang und die Wirkung sind enorm. 

Hast du auch etwas von der lokalen Kultur oder Küche mitbekommen? 

Großartige frische Avocados, lokalen Tee und Kaffee, frittierte Kochbanane und eine Menge sehr scharfer Chilisaucen!

Was würdest du der Ecosia-Community gerne von diesem Trip zeigen?

Wie stolz die Menschen vor Ort sind. Sie führten uns in die entlegensten Winkel ihrer Grundstücke, um uns ihre Lieblingsbäume zu zeigen – manche stehen schon seit 2020 dort – und wie prächtig sie gedeihen. Ihre Farmen haben sich mit den Bäumen, die überall verteilt stehen, sehr verändert und darauf sind sie richtig stolz. 

Was würdest du nach dieser Erfahrung zu einer Person sagen, die solchen Baumpflanzprojekten gegenüber skeptisch eingestellt ist?

Es kommt auf die Logistik an und dafür braucht es erfahrene Partnerorganisationen. One Acre Fund ist ein eingespieltes Team. Sie haben die richtigen Personen an den richtigen Stellen, um die Bäumchen in den Boden zu setzen und ihr Überleben zu gewährleisten. Dieses System in Aktion zu sehen, stimmt zuversichtlich.

Woran wirst du dich auch noch in einem Jahr erinnern?

Die Gastfreundschaft. In diese entlegenen Dörfer kommen nicht viele Fremde und trotzdem wurden wir sehr herzlich empfangen. Manche Leute waren zunächst etwas verunsichert, warum ich da war. Hatte ich ihnen aber einmal erklärt, dass ich von Ecosia kam, um das Projekt zu dokumentieren, damit es mehr Aufmerksamkeit und damit mehr finanzielle Mittel und Unterstützung bekommt, waren sie überaus offen und hilfsbereit. Das hat mich sehr berührt.

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