Wird das Coronavirus die Klimakrise verschärfen?

Dass das Coronavirus sich auf der ganzen Welt verbreitet hat, wisst ihr bereits.
Wir alle sind kürzer getreten und zuhause geblieben. Jetzt erreichen uns freudige Nachrichten, dass die Luftqualität sich schlagartig verbessert und die Natur sich erholt habe.

Allerdings hat das alles langfristig keinen nennenswerten Einfluss auf das weltweite CO2-Niveau, und es wird auch nicht ausreichen, um die globale Erderwärmung dauerhaft zu stoppen.

Ohne eine langfristige alternative Strategie zur Kompensation eines Wirtschaftssystems, das auf grenzenlosem Wachstum basiert, wird kein punktueller Rückgang der Kohlenstoffemissionen ausreichen, um das Gleichgewicht innerhalb unserer Ökosysteme wiederherzustellen.

Warum das Coronavirus die Klimakrise zusätzlich verschärfen könnte

Um ihre Volkswirtschaften zu stützen, werden die Regierungen möglicherweise die Umweltstandards lockern, mit dem Ziel, die verbliebene wirtschaftliche Aktivität zu maximieren. Mit anderen Worten: Man wird versuchen, Maßnahmen zum Schutz der Umwelt zu kippen.

Tatsächlich ist dieser Trend bereits in Ländern wie China zu beobachten. In einigen Städten wird der Shutdown bereits wieder gelockert, und die chinesische Regierung ist gewillt, die Wirtschaft um jeden Preis wieder anzukurbeln, erst recht, wenn es zu Lasten der Umwelt geht.

In den kommenden Wochen werden Regierungen auf der ganzen Welt entscheiden, wie sie die Krisenfonds einsetzen wollen, um die Unternehmen zu entschädigen, die zwangsweise ihren Betrieb einstellen mussten.

Welche Branchen werden unsere Regierungen bevorzugt unterstützen?

Welche Lehren wir aus der Finanzkrise 2008 für die Corona-Krise ziehen sollten

Als der Zusammenbruch von Lehman Brothers am 15. September 2008 die größte Wirtschaftskrise seit dem Zweiten Weltkrieg auslöste, gab es keine wirklichen Alternativen zu einem aus dem Ruder gelaufenen neoliberalen System.

Also bestand die Reaktion der Regierungen darin, genau den Banken- und Finanzsektor zu retten, der die Krise überhaupt erst verursacht hatte. Niemand hatte sich im Vorfeld die Mühe gemacht, bestehende Lösungen zu einer ganzheitlichen politischen Strategie für den Krisenfall zu bündeln.

Heute sind Vorschläge wie der US-amerikanische Green New Deal oder die europäische Green-Deal-Initiative Roadmaps für ein belastbares Wirtschaftssystem innerhalb der Grenzen unseres Planeten.

Wenn wir die erforderlichen Veränderungen jetzt nicht mit Nachdruck einfordern, werden die Regierungen den gleichen Weg gehen wir 2008. Wir sollten die Fehler von damals nicht wiederholen.

Die öffentlichen Gelder, die während der Krise in den Banken- und Finanzsektor geflossen sind, haben nicht zur Umstrukturierung eines Wirtschaftssystems beigetragen, das sich erneut als unhaltbar erwiesen hat – sowohl für die Menschen als auch für das Klima.

Wie wir diese Krise auf eine Art und Weise meistern können, die uns hilft, unsere Umwelt zu schützen

Folgenderweise sollten die staatlichen Stabilisierungsfonds wie folgt ausgezahlt werden:

  • CO2-Steuer: Es sollte eine CO2-Steuer eingeführt werden, deren Höhe sich nach den Umweltschäden richtet, die die Emissionen verursachen. Würden Unternehmen mit geringem CO2-Fußabdruck größere Entschädigungen erhalten als solche, die die Umwelt in höherem Maße schädigen, wäre ein Anreiz gegeben, die eigenen Emissionen zu verringern.
  • Sozialfonds: Die Maßnahmen sollten gekoppelt sein an langfristige Wirtschaftsfonds, die die Fortbildung bzw. Umschulung von Arbeitern beschleunigen, um diesen den Ausstieg aus hochgradig umweltschädlichen Industriezweigen zu ermöglichen. Von finanziell tragfähigen, universellen Wohlfahrtssystemen bis hin zu bedingungslosen Grundeinkommensmodellen gibt es viele machbare und bewährte Lösungen, bei denen niemand durchs Raster fällt.
  • Investitionen in erneuerbare Energien: Selbstverpflichtung zu langfristigen Investitionen in erneuerbare Energien. Jetzt ist der richtige Zeitpunkt, mit einer dauerhaften Umstrukturierung unserer Energieinfrastrukturen zu beginnen.

Keiner dieser Ansätze ist neu. Klimabewegungen stellen diese Forderungen seit vielen Jahrzehnten.

Sie bildeten die Basis der Forderungen, die bei den globalen Klimademonstrationen 2019 gestellt wurden. Es sind dieselben Forderungen, derentwegen man Klimaaktivisten wie Greta Thunberg nicht nur vorgeworfen hat, einen extremen Standpunkt zu vertreten, sondern zudem, unrealistisch und undemokratisch zu sein.

Die Reaktionen auf das Coronavirus haben zweierlei gezeigt:

Erstens, dass es einen kausalen Zusammenhang gibt zwischen der Wirtschaft und der Gesundheit unseres Planeten. Und zweitens, dass es durchaus möglich wäre, Maßnahmen gegen die Klimakrise zu ergreifen, wenn man nur wollte. Stattdessen nimmt man aus rein wirtschaftlichen Interessen soziale Ungerechtigkeit ebenso in Kauf wie immer schlechtere Lebensbedingungen infolge eines verantwortungslosen Umgangs mit unserer Umwelt.

Angesichts einer so gewaltigen Herausforderung kann man sich als Einzelner schnell ohnmächtig fühlen.

Aber auch wenn keiner von uns diese Krise allein bewältigen kann, sind die Errungenschaften der Klimaproteste 2019 inspirierend und eine ständige Erinnerung an das, was wir mit vereinten Kräften bewirken können.

Dies ist nur der Anfang einer friedlichen Revolution zugunsten eines nachhaltigeren Wirtschaftssystems. Es liegt an uns, zu entscheiden, wie wir aus der Corona-Krise hervorgehen.



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