Warum haben Social Entrepreneurs flache Köpfe?

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Es ist nicht einfach, die Welt zu verändern. Es verlangt gewaltigen Mut, sich für etwas einzusetzen an das man glaubt; anfangs macht man sich lächerlich und ständig warnen Skeptiker vor dem eigenen Versagen.

Auch Ecosia hat diese Vorbehalte häufig zu spüren bekommen wenn es darum ging umweltfreundliche, soziale und zugleich unternehmerische Ziele zu verfolgen. Mit Blick auf die heutige Wirtschaftsstruktur, klingt die Entscheidung (mindestens) 80% seiner Gewinne zu spenden oder das Streben nach vollständiger Transparenz tatsächlich…verrückt.

Ich wage fast zu behaupten, dass man die Ambitionen eines Social Entrepreneurs an seiner Kopfform erkennen kann: die Oberfläche ist ganz flach vom gönnerhaften Klopfen alteingesessener Unternehmer. Doch man darf sich davon nicht entmutigen lassen! Denn gerade in der Gründungsphase eines Unternehmens ist Beharrlichkeit der wichtigste Baustein auf den man setzen kann. Allerdings reicht auch das allein nicht aus, um eine globale Bewegung in Gang zu setzen. Hierfür gilt es, die eigenen Fähigkeiten zu übersteigen.

Zum Beispiel durch die Zusammenarbeit mit B Corporation. BCorp ist quasi das Fair-Trade Siegel für Unternehmen. Bereits mehr als 1200 Unternehmen aus 38 Ländern und 60 unterschiedlichen Branchen wurden als Symbol ihrer gemeinsamen Bestrebung mit diesem Siegel zertifiziert: gemeinsam wollen sie die Bedeutung von ‘Erfolg’ in der Geschäftswelt neu definieren. Als Gruppe ermutigen sie alle Unternehmen nicht mehr nur danach zu streben, die Besten der Welt zu sein, sondern die Besten für die Welt. Wie machen sie das? Um nur einige Beispiele zu nennen: durch die Wiederverwertung von Büchern um zeitgleich den globalen Analphabetismus zu bekämpfen; durch die Produktion von Outdoor-Sportkleidung nach umweltfreundlichen Standards oder indem sie ihre Kunden mit Eiscreme/Kaffee/Schokolade erfreuen, dabei aber auch der Gesellschaft etwas zurückgeben.

Auch Ecosia gehört seit mehr als einem Jahr dieser Gruppe an und ist als erste BCorp Deutschlands ein stolzes Mitglied der sogenannten European Founding Class. Vor zwei Wochen fand die Präsentation der BCorp Europe in Amsterdam statt. Als Gruppe wollen wir einen grossen Schritt nach vorne machen, unsere US-amerikanische Kollegen einholen und so die Bewegung weiterführen. Die B Corporation hat sich als langfristiges Ziel gesetzt, in Europa 1000 Unternehmen bis zum Jahre 2017 mit dem Siegel zu zertifizieren. Wir kommen gut voran: bis jetzt sind schon mehr als 60 Unternehmen zertifiziert worden, über 500 durchlaufen gerade den vorgeschriebenen Prozess.

Die Summe individueller Anstrengungen könnte tatsächlich eine Welle schlagen, gross genug um die Probleme der Gesellschaft zu lösen. Doch als Gruppe haben wir gemeinsam den Weg einschlagen, eine neue Weltwirschaft aufzubauen, die auch kommende Führungsgenerationen beeinflussen wird.Grosse Herausforderungen brauchen grosse Antwortung und die B Corp Bewegung bietet eine extrem skalierbare Lösung. Bei Ecosia sind wir davon überzeugt, dass auch Unternehmen - die einflussreichste vom Menschen geschaffene Kraft - zu einer positiven Umweltbilanz beitragen können und Mehrwert für die Gesellschaft (und nicht lediglich für Aktienbesitzer) bringen müssen. Wir sind bereit eine Vorreiterrolle in diesem Bereich in Europa (und überall) einzunehmen! Vive la Révolution!

Dieser Artikel wurde von Piotr Drozd geschrieben, COO bei Ecosia.