Warum wir unsere Lizenzvereinbarung für Medien veröffentlichen

Suchmaschinen nutzen Nachrichteninhalte, die von Presseverlagen geschaffen werden. Dafür ist eine angemessene Bezahlung nur fair. Was ist aber „angemessen“? Mit dieser Frage befassen sich aktuell zahlreiche Gerichte. Große IT-Firmen untergraben diese Bestrebungen: Durch Hinterzimmer-Abmachungen bleiben die Verhältnisse unklar und kleinen, alternativen Suchmaschinen wie uns fehlen bei Verhandlungen wichtige Anhaltspunkte.

Deshalb machen wir es jetzt anders: Wir veröffentlichen unsere Lizenzvereinbarung, um ein transparentes, faires Modell vorzustellen und der Branche zu zeigen, wie es besser geht.

Warum ist das wichtig?

In Europa sind Suchmaschinen gesetzlich verpflichtet, Presseverlage für die Verwendung ihrer Inhalte zu vergüten. Dieses Recht der Presseverlage ist dazu da, den Journalismus – einen Grundpfeiler der Demokratie – zu fördern.

Deutschland hat (wie die meisten EU-Staaten) ein entsprechendes nationales Gesetz verabschiedet. Trotzdem ist nicht klar, was als „angemessene Vergütung“ gilt. Es gibt keine Normsätze oder allgemein anerkannten Messwerte – nur jede Menge Gerichtsverfahren und undurchsichtige Deals, die kleinere Player wie uns im Dunkeln tappen lassen.

Währenddessen halten große Suchmaschinen Verlage in jahrelangen Gerichtsverfahren gefangen und versuchen, so wenig wie möglich oder gleich gar nichts zu zahlen.

Wir profitieren von der Berichterstattung – auch die Verlage sollen profitieren

Journalismus prägt den demokratischen Diskurs. Wir teilen diese Arbeit in unseren Suchergebnissen, deshalb sollten auch die Personen, denen wir diese Inhalte zu verdanken haben, fair bezahlt werden. Außerdem möchten wir mehr Transparenz in der Branche sehen. Wir wollen keine undurchsichtigen Verhandlungen oder verborgenen Machtverhältnisse. Das System kann nur fair sein, wenn es nachvollziehbar ist. 

Wir haben eine Lizenzvereinbarung entwickelt, die einheitlich, gerecht und plausibel ist. Kurz zusammengefasst:

  1. Die Lizenzgebühr berechnet sich aufgrund des nationalen Umsatzes der Suchmaschine
  2. Ein gestaffelter globaler Umsatzfaktor trägt den Skaleneffekten Rechnung
  3. Dieser Betrag wird gemäß dem Marktanteil der einzelnen Verlage aufgeteilt. Diesen ermitteln wir einheitlich über Klickraten oder Seitenimpressionen.

Damit das gerecht abläuft, müssen die Verlage gewisse Anforderungen erfüllen: 

  • Nachweisen, dass sie unter das EU-Recht für Presseverlage fallen
  • Ihren Sitz in der EU oder im EWR haben
  • Zeigen, welche Rechte sie halten und dass Ecosia die betreffenden Inhalte nutzt
  • Messwerte (wie IVW-Statistiken zur Online-Nutzung) teilen, damit wir ihren Marktanteil berechnen können

Warum wir unsere Lizenzvereinbarung veröffentlichen

Wir sind überzeugt, dass das Recht der Presseverlage nur funktioniert, wenn die Abmachungen öffentlich sind. Undurchsichtige, einmalige Vereinbarungen zwischen Big Tech und großen Verlagen helfen niemandem – am allerwenigsten kleinen Organisationen, die das Richtige tun wollen. Sie fördern nur ungleiche Machtverhältnisse. 

Unsere Mustervereinbarung bietet Transparenz durch klare Definitionen und Berechnungsmodelle für Parameter, allgemeine Gültigkeit für alle Verlage und den Verzicht auf Verschwiegenheitsklauseln. Indem wir die Vereinbarung veröffentlichen, schaffen wir eine Grundlage für Gerichte, Verlage und andere Suchmaschinen, während der Markt erst herausfinden muss, was „angemessene Vergütung“ eigentlich bedeutet.

Wir senden ein politisches Signal: Eine Suchmaschine kann Gesetze achten und die Demokratie unterstützen – in aller Öffentlichkeit. Das stärkt die Branche, die Presse und den demokratischen Diskurs. 

Unser Aufruf an die Branche:

An Verlage: Arbeiten wir transparent zusammen. Gerechte Bezahlung für tatsächliche Nutzung.

An Plattformen: Keine Hinterzimmer-Deals mehr. Veröffentlicht eure Bedingungen und errichten wir gemeinsam ein System, das allen nutzt – nicht nur den größten Firmen.

Was nun? Unsere Lizenzvereinbarung ist nicht in Stein gemeißelt. Sobald die Gerichtsverfahren zu klareren Standards führen, werden wir sie entsprechend anpassen. Ein Work-in-Progress also. Fair, transparent und um einiges besser als geheime Absprachen.

Qualitätsjournalismus ist für die Demokratie wesentlich. Wir wollen ihn nachhaltig finanzieren – und wir wollen, dass alle sehen, wie wir das tun.

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