Als wäre es nicht hart genug, jeden Morgen mit den neuesten Nachrichten aus aller Welt konfrontiert zu werden, steigen auch die Preise für deinen morgendlichen Kaffee seit Jahren stark an. Schuld daran ist in erster Linie die Klimakrise. Ausgedehnte Dürreperioden und Hitzewellen haben vernichtende Auswirkungen auf den Kaffeeanbau; kleinbäuerliche Familienbetriebe (die für 80 % der weltweiten Kaffeeproduktion verantwortlich sind) sind davon am stärksten betroffen.
Um den Kaffeeanbau zu sichern, müssen Landwirt*innen ihre Anbauflächen widerstandsfähiger gegen die Folgen des Klimawandels machen. Eine bewährte Methode ist die Agroforstwirtschaft, bei der neben Kaffeepflanzen auch weitere Pflanzenarten angepflanzt werden. Wir haben dieses System bereits in einigen unserer Projekte auf der ganzen Welt umgesetzt. Heute holen wir einige dieser tollen Initiativen vor den Vorhang.
Schatten: Die geheime Zutat für guten Kaffee
Eine der einfachsten und dennoch effektivsten Ansätze, um Kaffeepflanzen zu schützen, ist, sie zu schattenspendende Nachbarn zu setzen. Denn Kaffee schmeckt am besten, wenn er unter einem Blätterdach wächst und keinen direkten Sonnenstrahlen ausgesetzt ist. So geschützte Pflanzen produzieren höherwertigere Bohnen, die auch teurer verkauft werden können.
Im Mubende District von Uganda arbeiten wir mit kleinbäuerlichen Kaffeeproduzent*innen zusammen, um schattenspendende Bäume zu pflanzen und Lösungen für die Abholzung auf ihrem Land zu finden. Dank der Bäume erhalten Landwirt*innen zusätzliches Futter, Dünger, Schatten und Nahrungsmittel. Grund genug, sie sowohl für die Umwelt als auch für das eigene Einkommen zu schützen.
Ein anderes Modell verfolgen wir in Bolivien, wo wir mit der Organisation Sicirec zusammenarbeiten. Anstatt wie üblich zu investieren, haben wir hier zinslose Darlehen für die Wiederbewaldung und Förderung nachhaltiger Landwirtschaft bereitgestellt. Diese Darlehen ermöglichen es kleinen Landwirtschaftsbetrieben, degradiertes Land mit heimischen Arten wiederherzustellen und dabei Holz, Kakao und Kaffee anzubauen. Die Einnahmen aus diesen Ernten werden verwendet, um das Darlehen zurückzuzahlen. So entsteht ein sich selbsttragendes Modell. Kaffee wird mit schattenspendenden Arten wie Tejeyeque in Mischkultur angebaut. Denn Tejeyeque reichern außerdem den Boden an und verbessern dadurch den Geschmack und die Qualität des Kaffees.
Das Projekt steht mit drei kleinen niederländischen Kaffeeunternehmen in Verbindung. Eines davon ist Brute Bonen. Dieses Unternehmen hat sich zu voller Transparenz in der Lieferkette verpflichtet und kauft seine Kaffeebohnen direkt von nachhaltig arbeitenden Landwirt*innen. Wir achten dabei darauf, dass diese Landwirt*innen einen fairen Preis für ihre Ware erhalten. Ein Teil der Einnahmen aus unserem Darlehen für den ersten Container Kaffee für Brute Bonen fließt zurück an die Landwirt*innen, damit sie mehr Bäume pflanzen oder ihre Felder aufwerten können.




Victoria und Francisco Vique – Spezialitätenkaffee-Produzenten in Bolivien; Kaffeebohnen von Victorias und Franciscos Grundstück; Sicirec-Kaffeeproduzentin Dona Maria mit ihrer Ernte; Kaffeebäume in Mischkultur mit Schattenbäumen
In Kolumbien arbeiteten wir zwischen 2017 und 2023 in einigen großen Kaffeeregionen mit PUR zusammen. Unter anderem in Cauca, einem Ort, der einst Zentrum des bewaffneten Konflikts war und jetzt einen Wandel durchlebt. In Cauca wird hauptsächlich Kaffee angebaut – 17 % der kolumbianischen Kaffeeproduzenten sind hier ansässig. Gemeinsam haben wir dort fast 5 Millionen schattenspendende Bäume gepflanzt und dadurch Land wiederhergestellt und für die örtlichen Gemeinschaften Alternativen zu Tätigkeiten wie Minenarbeit, Brandrodung, dem illegalen Koka-Anbau und nicht nachhaltiger Viehzucht geschaffen.
Resilienz durch vielfältige Agroforstsysteme
Durch viele der Projekte entstehen ausgesprochen diverse Agroforstsysteme, in denen Kaffee mit verschiedensten Baum- und Nutzpflanzenarten kombiniert wird. Das stärkt auch die Widerstandfähigkeit gegen Schädlinge, Wetterauswirkungen und Marktschwankungen.
Seit 2017 arbeiten wir mit Green Ethiopia zusammen, um über 20 Millionen heimische Baumarten zu pflanzen und dadurch kahle Berge wieder zu begrünen. Auf gemeinschaftlichem Land lässt ein Frauenkollektiv in der Region Safa einen Wald entstehen. Durch die Mischkultur, in der sie Kaffeepflanzen mit Obstbäumen und schattenspendenden Arten wie Ensete ventricosum (die Zierbanane) mischen, haben sie ihre Erträge und ihren Lebensunterhalt gesteigert.
Eine weitere äthiopische Partnerschaft mit der Stiftung Menschen für Menschen in der Region Nono Benja ist seit 2020 aktiv und hilft über 300 Landwirt*innen, Agroforstmethoden einzuführen.




Kaffee ausschenken in Äthiopien; Safa-Kaffeebäuerin Almaz mit ihrer Ernte; Kaffeesetzlinge in einer Baumschule in Äthiopien; Kaffee pflanzen in Nona Benja
Auf der anderen Seite des Atlantiks haben wir Anfang des Jahres unser erstes Projekt in der Dominikanischen Republik gestartet. Gemeinsam mit Plant With Purpose helfen wir kleinen, ländlichen Bauernfamilien, diverse Agroforstsysteme mit Kakao- und Kaffeepflanzen anzupflanzen und zu pflegen. Die Landwirt*innen berichten von gesünderen Böden (49 %), 97 % berichten von einer größeren Sortenvielfalt und ganze 91 % von einem Rückgang der Armut – in nur fünf Jahren!
Ähnliche Erfolge lassen sich in Westafrika verzeichnen. Hier verursacht die weltweite Nachfrage nach Kakao häufig Waldrodungen. Unser Partner APAF in der Republik Côte d‘Ivoire nutzt traditionelle Agroforstmethoden, um dem entgegenzuwirken. Die Organisation hilft Landwirt*innen, Brandrodungen und den Einsatz chemischer Düngemittel einzustellen. Hier werden Kaffee- und Kakaopflanzen mit Bäumen wie Samanea saman, Albizia stipulata, Fraké, citrus und Bassam mahogany in Mischkultur gepflanzt. Diese Bäume spenden Schatten, düngen die Erde und liefern Brennholz, Bauholz, Obst und Medizin. Dadurch können Landwirt*innen ihre eigenen Kosten senken und gleichzeitig durch den Kaffee- bzw. Kakaoanbau Einkommen generieren.


Ein Außendienstmitarbeiter der APAF bereitet Kaffeesetzlinge für die Verteilung an Bauern vor. Die Lieferung von Setzlingen zur Pflanzung in der Regenzeit kann eine Herausforderung sein!
Sukzession: Arbeiten mit natürlichen Abläufen
In manchen Projekten befolgen wir beim Pflanzen die ökologische Sukzession und ahmen damit die Art und Weise nach, wie sich Wälder im Laufe der Zeit auf natürliche Weise regenerieren.
Anfang des Jahres ging es gemeinsam mit Grupo Gaia in der Minas Gerais Region in Brasilien mit einem neuen zweijährigen Agroforst-Projekt los. Grupo Gaia hilft Landwirt*innen, ihre konventionelle Landwirtschaft in Agroforstwirtschaft umzuwandeln, was den Boden regeneriert und die Biodiversität fördert. Es ist das erste Purpose-Unternehmen Brasiliens und hat sich mit der größten Agrarreformbewegung des Landes (MST) zusammengetan, um das Projekt auf speziell für den Einsatz von Agrarökologie gespendetes Land umzusetzen.
Gemeinsam werden wir hier rund 250.000 Bäume pflanzen. Es werden überwiegend Kaffeepflanzen sein, die wir mit Obstbaumarten mischen, welche im Austausch mit den örtlichen Genossenschaften ausgewählt wurden.
Der Schutz kritischer Urwälder durch regenerative Landwirtschaft
Etwas weiter im Norden beherbergt Peru 13 % des Amazonas, hat jedoch in den letzten 15 Jahren eine Million Hektar an Wald verloren. Durch unseren Partner Progreso befähigen wir Bauernverbünde, anstatt der traditionellen Monokulturen regenerative Methoden zu verbreiten, um die Fruchtbarkeit des Lands zu bewahren und den Druck auf unberührte Ökosysteme zu reduzieren. Auch hier werden unter anderem Kaffeebäume gepflanzt.
Ein globaler Ansatz für nachhaltigen Kaffee
Wir investieren auch in weitere Projekte, die den nachhaltigen Kaffeeanbau unterstützen – z. B. Slow (Forest Plateau) in Vietnam, ein Projekt, das Kaffee aus Agroforstwirtschaft an große europäische Abnehmer verkauft.
Von Äthiopien bis Vietnam: Diese Projekte zeigen, dass Kaffeeanbau und die Wiederherstellung von Wäldern Hand in Hand gehen müssen. Und nachdem Klimawandel die weltweite Kaffeeproduktion bedroht, dient die Einführung von Agroforstmethoden nicht nur dem Wohlergehen der Landwirt*innen und Wälder, sondern ist auch für die Zukunft deines Kaffees von entscheidender Bedeutung. Nutze weiterhin Ecosia für deine Suchanfragen im Internet – und sei dir bewusst, dass du dabei nicht nur die Biodiversität unterstützt, sondern auch deinen morgendlichen Kaffee.