Im vergangenen November stand der deutsche Bundeskanzler auf dem ersten Europäischen Gipfel zur Digitalen Souveränität, versprach schnelles Handeln und kündigte an, der Staat solle zum „Ankerkunden“ für souveräne europäische Digitalwerkzeuge werden.
Also haben wir uns gefragt: Hat sich 100 Tage später tatsächlich etwas verändert?
Für uns bedeutet digitale Souveränität, unabhängige, idealerweise europäische Technologien zu nutzen, anstatt sich in allen Bereichen auf große US-Technologieunternehmen zu verlassen.
Wir haben eine einfache Frage gestellt: Wie digital souverän sind Deutschlands Ministerien derzeit?
Um das herauszufinden, haben wir Informationsfreiheitsanfragen an 147 deutsche Ministerien gestellt und sie gebeten, ihre Tech-Stacks offenzulegen. Wir wollten wissen, welche Browser, Suchmaschinen und KI-Dienste sie bei der Arbeit nutzen, und haben zudem ihre Präsenz auf Social-Media-Plattformen analysiert. Zwei Drittel haben geantwortet – und die Ergebnisse könnten (oder auch nicht) überraschen:
- Nahezu vollständige Abhängigkeit von US-Browsern: 98 % der Ministerien nutzen Microsoft Edge, keines bietet eine europäische Browser-Alternative an.
- US-Suchmaschinen als Standard: 75 % belassen die Standardeinstellung des Browsers (meist Bing oder Google); nur 23 % nutzen eine europäische Suchmaschine.
- Starke Abhängigkeit von US-Social-Media-Plattformen: Die meisten Ministerien kommunizieren über X, Instagram, Facebook, LinkedIn und YouTube.
Was bedeutet das?
Digitale Souveränität ist bislang vor allem Rhetorik. Trotz politischer Bekenntnisse verlassen sich die Ministerien überwiegend auf US-Technologie – selbst dort, wo kostenlose europäische Alternativen existieren.
Das müssen wir ändern.
Wir fordern die deutschen Ministerien auf, zwei praktische erste Schritte in Richtung digitaler Souveränität zu gehen:
- ihre Standardsuchmaschine auf Ecosia umstellen; und
- eine „@Mastodon First”-Social-Media-Strategie einzuführen.
Beide Maßnahmen sind kostenlos, leicht umsetzbar und senden ein klares Signal: Europa ist bereit, sein eigenes digitales Ökosystem mit echter Nachfrage zu unterstützen – nicht nur mit Worten.