Wie eine Bürgerbewegung Städte widerstandsfähiger gegen Hitze macht

GENICA
BEITRAG VON

Génica Schäfgen

Génica Schäfgen bringt Ecosias Klimaarbeit auf europäischer Ebene voran. Nebenbei hat sie auch noch BaumEntscheid mitgegründet.

Manchmal braucht es nur eine Idee – und den Mut, sie umzusetzen. Bei Ecosia freuen wir uns über die Nachricht, dass Berlin ein Gesetz zum Schutz und zur Anpflanzung von Bäumen verabschiedet hat.

Ende letzten Jahres hat der Berliner Senat einstimmig beschlossen, 1 Million Bäume für die Hauptstadt zu pflanzen – den Sitz von Ecosia! Dies ist ein wichtiger Schritt für die Anpassung an den Klimawandel und ein Beispiel dafür, wie Veränderungen durch Bürgerinitiativen aussehen können.

Hier erfährst Du, warum dies so bedeutsam ist, wie es dazu kam und was es für die Zukunft Berlins und anderer Städte bedeutet.

Warum Städte Baumschutzgesetze brauchen

Städte auf der ganzen Welt werden immer heißer. Insbesondere die Sommer werden heißer, denn Beton speichert Wärme. Stadtbäume kühlen die Luft, spenden Schatten und machen Städte erst lebenswert, verschwinden oft schneller, als sie ersetzt werden können. Gleichzeitig ist der Zugang zu Grünflächen oft ungleich verteilt, was extreme Hitze zu einem Problem der sozialen Gerechtigkeit macht. Einkommensschwache Gemeinden und ältere Bewohner sind davon überproportional betroffen.

Kurz gesagt: Die meisten Städte sind nicht auf eine heißere Zukunft vorbereitet. Und während „Klimaschutz” viel diskutiert wird, wurde die Klimaanpassung, also die Vorbereitung der Städte auf die bereits vorhandenen Auswirkungen, lange Zeit übersehen.

Eine Bürgerinitiative wird zu einem wegweisenden Gesetz

Diese Lücke inspirierte die Gründung einer Bürgerinitiative in Berlin, die ein klares Ziel hatte:

die Stadt durch eine gesetzlich verbindliche Verpflichtung zum Pflanzen und Schützen von Bäumen hitzebeständiger zu machen und einen Entwurf für andere Städte weltweit zu liefern.

Die Idee wurde vom Aktivisten Heinrich Strößenreuther und mir (als Leiterin von Ecosia Deutschland). Wir brachten Wissenschaftler*innen, Expert*innen zur Gesetzgebung und Aktivist*innen zusammen, die die Grundlage für unsere politischen Forderungen definierten. Gemeinsam mit ehrenamtlichen Expert*innen entwickelten wir ein Klimaanpassungsgesetz, das erste seiner Art auf regionaler Ebene in Deutschland. 

Das Gesetz umfasst weit mehr als nur die Planung der Anpflanzung und Pflege von Bäumen in der ganzen Stadt. Es ist mehr als das. Es ist ein Entwurf dafür, wie eine Stadt wie Berlin sich an steigende Temperaturen anpassen, ihre Bürger vor Hitzewellen schützen und die Stadt auch bei extremen Wetterbedingungen kühl und lebenswert bleiben kann. 

Die Anfangsphase wurde vollständig von Ecosia finanziert und unterstützt, aber dennoch war der Start schwierig. Neue Ideen finden selten sofort politischen Anklang, und bis vor kurzem gab es für die Klimaanpassung keine richtige Lobby. Durch den beharrlichen Dialog mit Medien und politischen Entscheidungsträgern sowie die integrative Kommunikation mit verschiedenen Bürgern wuchs jedoch die Unterstützung.

Dies war nie das Projekt einiger weniger Einzelpersonen. Es war eine Bewegung: Einwohner*innen aus allen Teilen der Stadt, aus allen Bevölkerungsgruppen und politischen Lagern, die ihre Zeit, ihre Gespräche, ihre Unterschriften und ihr Fachwissen einbrachten. Ihre Bemühungen zeigten eine wichtige Wahrheit: Die Anpassung an den Klimawandel verdient Aufmerksamkeit und Maßnahmen.

Innerhalb kurzer Zeit haben über 30.000 Einwohner unterschrieben, um dieses neue Gesetz zu unterstützen. Diese breite demokratische Unterstützung schuf eine Kraft, die nicht ignoriert werden konnte, und nach Monaten des konstruktiven Dialogs  wurde das vorgeschlagene Baumschutzgesetz einstimmig verabschiedet.

Was genau verlangt das neue Berliner Klimaanpassungsgesetz?

Das neue Gesetz soll Berlin dabei helfen, mit steigenden Temperaturen, stärkeren Niederschlägen und längeren Dürreperioden fertig zu werden. Es macht die Anpassung an den Klimawandel zu einer gesetzlichen Verpflichtung und zielt darauf ab, das tägliche Leben sicherer und angenehmer zu gestalten, während Hitzewellen immer stärker werden. 

Das Gesetz verpflichtet die Stadt, Verbesserungsmaßnahmen in den Stadtteilen zu identifizieren und zu priorisieren, die am stärksten unter Hitze leiden. Diese „Hitzezonen” müssen durch mehr Bäume, Grünflächen und schattige Ruhezonen gekühlt werden, mit dem Ziel, die Spitzentemperaturen um mindestens 2 °C zu senken. Jede Person sollte einen Park oder eine „Kühlinsel” in kurzer Entfernung erreichen können, insbesondere in Gebieten, in denen die Menschen am stärksten der Hitze ausgesetzt sind.

Klare Ziele und Fristen werden dies ermöglichen. Die Straßen müssen auf jeder Seite alle 15 Meter mit einem Baum beschattet werden, wodurch die Gesamtzahl der Straßenbäume in Berlin bis 2027 wieder auf mindestens 440.000 steigen wird. Regenwasser muss aufgefangen und wiederverwendet werden, anstatt in die Kanalisation zu fließen, was sowohl zur Kühlung als auch zum Hochwasserschutz beiträgt. 

Berlin muss außerdem Hitzeschutzpläne einführen, regelmäßig Klimarisiken bewerten und Fortschrittsdaten öffentlich veröffentlichen. Wenn die Stadt in Verzug gerät, ist sie gesetzlich verpflichtet, Notfallmaßnahmen einzuführen. Die Vorschriften zum Schutz von Bäumen müssen verschärft werden, um unnötige Fällungen zu verhindern und Ersatzpflanzungen sicherzustellen.

Ein Gesetz von globaler Bedeutung

Um eine Idee in die Realität umzusetzen, braucht es mehr als nur Leidenschaft – es erfordert Vertrauen, Zusammenarbeit und Unterstützung. Von Anfang an glaubte Ecosia an die Mission und leistete wichtige Unterstützung, um das Wachstum der Initiative zu fördern.

Das daraus resultierende Gesetz ist mehr als eine lokale Umweltmaßnahme. Es ist der Beweis dafür, dass das Engagement der Bürger die öffentliche Politik verändern kann, selbst bei komplexen Themen wie Klimaresilienz.

Eine Million Bäume bis 2040 für ein kühleres, gerechteres und zukunftsfähiges Berlin. Ein Gesetz, das Schatten spendet, gefährdete Bezirke schützt und eine europäische Großstadt auf die bevorstehenden klimatischen Herausforderungen vorbereiten soll.

Und das ist erst der Anfang. Die Bewegung wächst weiter, genau wie die Bäume, zu deren Schutz sie beitragen wird. Welche Stadt wird die nächste sein?

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